Prähistorische Höhlenkunst stärkt den Beweis fürs Imago Dei im Menschen

Als unsere Kinder noch klein waren, haben wir den Kühlschrank mit ihren kindlichen Kunstwerken verziert. Sie waren so stolz auf ihre Werke, dass sie wollten, dass alle sie sehen konnten.

Jetzt haben wir Enkelkinder und unsere Kühlschranktür wird wieder mit dem, was wir Meisterwerke der Kunst der kleinen Hände nennen, geschmückt. Kinder kommen auf die Welt mit einem angeborenen Bedürfnis, ihr Zeichen in der Welt zu setzen. So viel ist uns jetzt klar.

Die Tatsache aber ist, egal wie alt wir werden, haben wir alle einen Angeborenen Schöpfungsdrang. Manche schaffen in den bildenden Künsten, manche musizieren, manche werden schriftstellerisch tätig. Noch andere erfinden neue Technologien. Andere bauen Häuser. Und, ganz wie kleine Kinder wollen wir immer, dass Leute unsere Werke sehen und schätzen.

Alle Menschen sind kreativ. Kreativität definiert uns und unterscheidet uns von allen anderen Lebenwesen, die jetzt existieren—oder je existiert haben. Ich bin Christ und gerade deswegen halte ich unsere Kreativität und Schöpfungsdrang für einen Ausdruck des Imago Dei in uns—sie ist eine Eigenschaft, die alle Menschen besitzen und die jedem Menschenleben einen unschätzbaren Wert verleiht.

Unsere Fähigkeit, Kunst, Musik und Literatur zu schaffen hängt von unserer Fähigkeit, symbolisch zu denken, ab. Wir erfinden sogar Zeichensysteme wodurch wir abstrakte Gedanken wiedergeben können. Wir können diese Zeichen beliebig manipulieren, um Geschichten zu erzählen —wahre Geschichten über wie die Welt ist und erfundene Geschichten über wie wir uns wünschen, dass sie sein würde. Unsere Fähigkeit, Kunst, Musik und Literatur zu schaffen hängt von unserer Fähigkeit, symbolisch zu denken, ab. Wir erfinden sogar Zeichensysteme wodurch wir abstrakte Gedanken wiedergeben können. Wir können diese Zeichen beliebig manipulieren, um Geschichten zu erzählen —Geschichten, die unsere Lebensweise beschreiben. Diese unbegrenzte schöpferische Fähigkeit ist sogar der Nährboden für Wissenschaft und Technologie.

Wann aber sind die menschlichen Fähigkeiten, symbolisch zu denken und die damit einhergehenden, grenzenlosen, schöpferischen Kapazitäten erst entstanden? Sind sie plötzlich entstanden? Sind sie Schritt-für-Schritt entstanden? Sind diese Eigenschaften den Menschen alleine eigen oder hatten andere Hominiden, Neanderthaler zum Beispiel, diese Fähigkeiten auch?

Wenn der biblische Bericht von der Entstehung der Menschheit wahr ist, dann würde ich erwarten, dass symbolische Ausdrucksformen nur den modernen Menschen eigen sein würden, dass ihre erste Erscheinung gleichzeitig mit der Entstehung unserer Spezies sein würde. Wir können dieser Frage nachgehen in dem wir Beweis für den Gebrauch von Zeichen in der Archäologie suchen. Künstlerische Darstellung sind für uns der beste Ersatz für symbolisches Denken unter den Funden, die moderne Menschen und andere Hominiden hinterlassen haben.

Die älteste bis jetzt entdeckte Höhlenkunst
Vor kurzem hat ein Forschungsteam aus Australien die älteste bisher entdeckte figurative Kunst ans Licht gebracht.1 Diese Kunst befindet sich nicht an einer Kühlschranktür, sondern an den Höhlenwänden der Leang-Tedongnge-Höhle auf der Insel Sulawesi in Indonesien. Die Forscher haben eine Datierungsmethode benutzt, die das Vorkommen von Uran und Thorium in Kalksteinablagerungen, die unter und auf Höhlenmalereien sind, messt. Das Ergebnis war, dass die Malereien von den Forschern auf ein Alter von mehr als 45.000 Jahren datiert wurden.

Diese Malereien wurden 2017 entdeckt. Sie stellen vier Sulawesi Pustelschweine (Sus celebensis) dar. Die Künstler haben Rötel für die Tierfiguren benutzt. Diese Substanz verleiht den Malereien eine rötlich-lila Farbe. Die Umrisse von zwei Händen sind neben den Schweinedarstellungen zu sehen. Nur ein Schwein ist vollständig. Ein großer Anteil von drei weiteren Schweinedarstellungen wurde durch Erosion der Höhlenwand verloren (sie war nämlich die ‘Leinwand’ für die Malereien). Das noch-intakte Schwein ist etwa 90 cm lang. Die Köpfe von zwei der drei noch-sichtbaren Schweine sind vollständig erhalten. Die Schweine scheinen einander entgegen zu treten, statt alle nach der gleichen Richtung orientiert zu sein. Die Forscher denken, die Malerei dem Zuschauer eine Art Erzählung zeigt, in der die Schweine mit einander sozial verkehren.

Die Höhlenmalerei von Sulawesi
Bevor diese Entdeckung gemacht wurde, hatten Archäologen andere Höhlenmalereien in Sulawesi gefunden und datiert. Ein Beispiel liefert die Höhlenmalerei von Leang Tedongnge. Diese Malerei umfasst Umrisse von Händen und Tierdarstellungen. Diese Malerei wurde aber als weit jünger eingestuft und auf ein Alter von ca. 35.000 bis 40.000 Jahren datiert.2

In 2019 haben Archäologen eine Analyse einer Wandmalerei in einer Höhle (die Leang Bulu’ Sipong 4 benannt wird) in Süd-Sulawesi veröffentlicht.3 Das Bild zeigt dem Betrachter eine Gruppe von Schweinen und Kleinbuffeln (Anoas), die auch in Sulawesi einheimisch sind. Diese Malerei wird auf 44.000 Jahren datiert.

Das auffälligste Merkmal der Leang Bulu’ Sipong 4-Kunstwerke ist die Darstellung kleinerer menschenähnlichen Figuren mit tierischen Merkmalen wie Schwänzen und Schnauzen. Einige dieser Figuren halten Speere und Seile in der Hand. Forscher nennen diese Mensch-Tier-Darstellungen ‘Therianthropen’.

Die Darstellungen von Therianthropen in der Höhlenkunst deutet darauf hin, dass sich die Menschen in Sulawesi Dinge vorstellen konnten, die in der materiellen Welt nicht existierten. Das heißt, sie hatten einen Sinn für das Übernatürliche.

Da diese Höhlenmalerei eine Jagd mit Therianthropen darstellt, sehen die Forscher in der Darstellung einen reichhaltigen narrativen Inhalt, so wie sie auch in der Szene mit Schweinen an den Wänden von Leang Tedongnge einen narrativen Inhalt sehen.

Wann entstand symbolisches Denken?
Der jüngste Fund in Leang Tedongnge untermauert die Behauptung, dass die frühen modernen Menschen in Asien die Fähigkeit hatten, sich künstlerisch auszudrücken, ebenso wie andere archäologische Funde in ganz Südostasien diese Behauptung bestätigt haben.4

Die frühen modernen Menschen haben diese künstlerische Fähigkeit benutzt, Geschichten zu erzählen.

Die asiatische Höhlenkunst ist in qualitativer Hinsicht der Kunst, die an den Höhlenwänden in Europa gefunden wurde, sehr ähnlich. Sie ist allerdings älter. Diese Erkenntnis bedeutet, dass der moderne Mensch höchstwahrscheinlich schon vor Beginn seiner Auswanderung aus Afrika (vor etwa 60.000 Jahren) die Fähigkeit besaß, Kunst zu schaffen. Mit anderen Worten, diese Entdeckung rückt den Ursprung der symbolischen Fähigkeit näher an die Zeit, in der der moderne Mensch entstand.

Anthropologe Christopher Stringer vom Natural History Museum in London bemerkt, “Die Grundlage für diese Kunst war vor 60.000 Jahren schon vorhanden; es kann sein, dass es sie schon vor mehr als 60.000 Jahren in Afrika gab und dass sie sich mit dem modernen Menschen ausbreitete.”5

Diese Schlussfolgerung wird durch die Entdeckung einer Silcretflocke aus einer Schicht in der Blombos Höhle, die in Südafrika neulich gefunden wurde, untermauert. Die Flocke wird auf 73.000 Jahren datiert. Eingeätzt in dieser Flocke ist eine teilweise erhaltene abstrakte Zeichnung.6 Aufgrund der Datierung von Kunstwerken des San-Volkes glaubt der Linguist Shigeru Miyagawa, dass künstlerischer Ausdruck vor mehr als 125.000 Jahren in Afrika entstanden sei.7

Neu-entdeckte Beweise, dass die kugelförmige Gestalt des menschlichen Gehirns erst vor etwa 130.000 Jahren entstand, stimmt mit den Funden aus der Archäologie überein.8 Manche Anthropologen denken, dass die Gestalt des Hirns mit den Hirnstrukturen, die für symbolisches Denken notwendig sind, stark zusammenhängt. Interessanterweise hatte das Neandertalerhirn eher eine länglich gestreckte Form. Diese Längenausdehnung hat die Größe der Hirnregionen, die fürs symbolische Denken notwendig sind, notwendigerweise eingeengt. Trotzdem findet man in der wissenschaftlichen und populären Literatur oft Behauptungen, dass die Neandertaler Kunst hatten. Eine Anzahl Studien stellt diese Behauptungen in Frage.9

Wenn Wissenschaftler die überwiegende Masse der Beweise aus Fossilfunden und archäologischen Funden zusammen betrachten, spricht vieles für die Schlussfolgerung, dass moderne Menschen alleine symbolisches Denken und eine grenzlose generative Kapazität erweisen —was so gut wie eine wissenschaftliche Beschreibung des Imago Dei ist. Genauso wichtig ist die Tatsache, dass die Daten dafür sprechen, dass diese zwei Eigenschaften gleichzeitig und plötzlich mit unserem ersten Erscheinen unter den gefundenen Fossilien auftreten.

Die Höhlenkunst stellt den biblischen Bericht über den Ursprung des Menschen und die biblische Sichtweise der menschlichen Natur nicht in Frage, sondern beweist die wissenschaftliche Glaubwürdigkeit des biblischen Textes – und dieser Beweis ist allen zugänglich.

Cave Art and the Image of God:

Das Hirn des modernen Menschen:

Konnten Neanderthaler Kunst schaffen?:

ENDNOTEN
  1. Adam Brumm et al., “Oldest Cave Art Found in Sulawesi,” Science Advances 7 (13.Januar.2021): eabd4648, doi:1126/sciadv.abd4648.
  2. M. Aubert et al., “Pleistocene Cave Art from Sulawesi, Indonesia,” Nature 514 (9.Oktober.2014): 223–27, doi:10.1038/nature13422.
  3. Maxime Aubert et al., “Earliest Hunting Scene in Prehistoric Art,”Nature576 (11.Dezember.2019): 442–45,doi:10.1038/s41586-019-1806y.
  4. Paul S. C. Taçon et al., “The Global Implications of the Early Surviving Rock Art of Greater Southeast Asia,” Antiquity 88 (December 2014): 1050–64, https://www.researchgate.net/profile/Paul-Tacon/publication/259979235_Recent_Rock_art_Research_in_Southeast_Asia_and_Southern_China/links/56d8c26508aee73df6cd02dc/Recent-Rock-art-Research-in-Southeast-Asia-and-Southern-China.pdf.
  5. Pallab Ghosh, “Cave Paintings Change Ideas about the Origin of Art,” BBC News, gepostet 8.Oktober.2014.
  6. Christopher S. Henshilwood et al., “An Abstract Drawing from the 73,000-Year-Old Levels at Blombos Cave, South Africa,”Nature562(12.September.2018): 115–18,doi:10.1038/s41586-018-0514-3.
  7. Shigeru Miyagawa, Cora Lesure, und Vitor A. Nóbrega, “Cross-Modality Information Transfer: A Hypothesis about the Relationship among Prehistoric Cave Paintings, Symbolic Thinking, and the Emergence of Language,”Frontiers in Psychology9 (20.Februar.2018): 115,doi:10.3389/fpsyg.2018.00115.
  8. Simon Neubauer, Jean-Jacques Hublin, und Philipp Gunz, “The Evolution of Modern Human Brain Shape,”Science Advances4, no. 1 (24.Januar.2018): eaao596,doi:10.1126/sciadv.aao5961.
  9. Ludovic Slimak et al., “Comment on ‘U-Th Dating of Carbonate Crusts Reveals Neandertal Origin of Iberian Cave Art,’”Science361, no. 6408 (21.September.2018): eaau1371,doi:10.1126/science.aau1371; Maxime Aubert, Adam Brumm, und Jillian Huntley, “Early Dates for ‘Neanderthal Cave Art’ May Be Wrong,”Journal of Human Evolution 125 (December 2018),doi:10.1016/j.jhevol.2018.08.004; David G. Pearce and Adelphine Bonneau, “Trouble on the Dating Scene,”Nature Ecology and Evolution2 (June 2018): 925–26,doi:10.1038/s41559-018-0540-4.