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Ist das Böse der logische Überwinder aller Argumente für Gottes Existenz?

Im Laufe der Geschichte haben Philosophen etliche Argumente vorgetragen, die Gottes Existenz beweisen oder widerlegen sollen.1 Ein weitverbreiteter Angriff auf Gottes Existenz ist das immerwährende Problem des Bösen. Aber widerlegt die Existenz des Bösen in der Welt Gottes Existenz endgültig? Ich hoffe, dieser kurze Blogeintrag wird euch helfen, dass Argument zu besprechen und die Frage durchzudenken.

In der Logik nennt man ein Argument, das, wenn es war wäre, logischerweise bedeuten würde, dass ein anderer Satz falsch sein muss, einen Überwinder. Schauen wir einen weitverbreiteten Versuch an, die Existenz des Bösen als möglicher Widerlegung der Existenz Gottes aufzuführen.

Argumentationskette
Wenn der traditionelle Gott des Theismus existiert, dann:

1. Gott ist allmächtig.
2. Gott ist allgütig.
3. Gott ist allwissend.

Aber:
4. Wenn ein göttliches Wesen allmächtig ist, kann es alles.
5. Wenn ein göttliches Wesen allgütig ist, beseitigt es immer so viel vom Bösen wie möglich.
6. Wenn ein göttliches Wesen allwissend ist, weiß es, wie es das Bösen beseitigt.

Aber es ist klar, dass das Böse existiert.

Deduktives Argument gegen Gott auf Grund vom Bösen, erklärt
Ein Argument besteht aus einer Kernbehauptung (der Schluss) und Prämissen (Unterstützung für den Schluss in Form von Beweis, Fakten oder Gründe). Die Argumentationskette oben widerspiegelt das folgende Argument.

Prämisse #1: Der traditionelle theistische Gott erfüllt die ganzen “all-”Kategorien (allmächtig, allgütig, allwissend).
Prämisse #2: Ein allmächtiger Gott könnte das Böse vernichten.
Prämisse #3: Ein allgütiger Gott würde das Böse vernichten wollen.
Prämisse #4: Ein allwissender Gott wüsste, wie das Böse zu vernichten sei.
Schluss: Deswegen können Gott und das Böse nicht gleichzeitig existieren und da das Böse existiert, kann Gott nicht existieren.

Diese Argumentation zieht den Schluss, dass die Existenz des Bösen den Glauben an einen allmächtigen, allgütigen und allwissenden Gott widerlegt. Die bloße Existenz des Bösen wird für einen Überwinder des traditionellen Theismus gehalten, wenn mann ihm glaubt. Man nennt es das deduktive Theodizee-Argument, weil, wenn die Argumentationskette stichhaltig ist (wenn der Schluss aus den Prämissen inferentiell folgt) und alle Prämissen wahr sind, dann ist der Schluss notwendigerweise wahr.

Analyse des Arguments
Der Schluss folgt inferentiell aus den Prämissen; daher scheint die Argumentationskette logisch korrekt zu sein. Aber es ist klar, dass die Wahrheit von Prämissen #2 und #3 sich bestreiten lässt. Bezüglich Prämisse #2 gilt folgender Einwand: Es ist möglich, dass Gott das Böse nicht vernichten kann, ohne die freie Entscheidungskraft, die er den Engeln und Menschen gegeben hat, zu zerstören. Bezüglich Prämisse #3 gilt dieser: Es ist möglich, dass Gott das Böse noch nicht vernichten will, weil es einem größeren Zweck dient. Das heißt, das Böse entsteht womöglich aus dem Verleihen der Geschöpfe diese freie Entscheidungskraft und/oder könnte ihnen befähigen, in ihren sittlichen Charakter zu wachsen.

Es folgt also, dass das deduktive Argument gegen Gott auf Grund des Bösen auf Grund der Logik allein scheitert. Es ist nicht unbestreitbar wahr, dass die Existenz des Bösen die Existenz Gottes widerlegt.

Theodizee als Erklärung fürs Böse
Eine Theodizee ist ein Versuch, Gott angesichts des Bösen zu rechtfertigen. Hier ist das einfache Argument, wie das Böse mit der Existenz Gottes vereinbar ist, wie Monotheisten (Juden, Christen und Moslems) es vortragen:

Prämisse #1: Gott ist allmächtig, allgütig und allwissend.
Prämisse #2: Gott schuf eine Welt, die jetzt auch das Böse einschließt, und hatte einen guten Grund, so zu tun (zum Zweck eines höheren Guten).
Schluss: Demzufolge gibt es das Böse in der Welt, aber das Böse ist vereinbar mit Gottes unbegrenzte Macht, Güte und grenzenloses Wissen.

Christliche Philosophen haben unterschiedliche Theodizeen vorgeschlagen, die das Scheitern des deduktiven Arguments gegen Gott auf Grund des Bösen zeigen. Die folgenden Zitaten verdeutlichen das.

Höheres Gut: Augustinus & Richard Swinburne

“Denn der allmächtige Gott, wie auch die Heiden zugeben, hat die höchste Macht über alles; er ist selbst im höchst-möglichen Grad gut und würde daher nie die Existenz des Bösen unter seinen Werken erlauben, es sei denn, er ist auch so allmächtig und so gut, dass er Gutes aus dem Bösen hervorbringen kann.” 2

“Die einfache Lösung ist, dass die Übel, die wir um uns herum finden, notwendige Bedingungen für größeres Gut sind. Das heißt: das größere Gut könnte ohne das Böse oder zumindest ohne die natürliche Möglichkeit des Bösen nicht geschehen.”3

Argument auf Grund des freien Willens: Alvin Plantinga
“Um Kreaturen zu schaffen, die des Moralisch-Guten fähig sind, muss er [God](Gott) deswegen, Kreaturen schaffen, die des Moralisch-Bösen fähig sind.”4

Auch manche Skeptiker und Atheisten unter den Philosophen ziehen den Schluss, dass das deduktive Argument gegen Gott auf Grund des Bösen scheitert.

Atheist William Rowe bemerkt: “Manche Philosophen haben behauptet, dass die Existenz des Bösen logisch unvereinbar mit der Existenz des theistischen Gottes ist. Ich denke, keinem davon ist es gelungen, diese extravagante Behauptung zu beweisen. . .”5

Skeptiker Paul Draper stimmt ihm zu: “Ich sehe nicht, wie es möglich sei, ein überzeugendes, logisches Argument gegen Theismus auf Grund des Bösen zu formulieren.”6

Takeaway
Obwohl das Böse eine verwirrende und verstörende Wirklichkeit ist, taugt die eigentliche Existenz vom Bösen nicht zur logischen Widerlegung vom Gott des traditionellen Theismus. Gott kann einen guten Grund haben, das Böse existieren zu lassen. Und die Schrift offenbart, dass Gott alles Böse, allen Schmerz und alles Leid für sein Volk in der eschatologischen Zukunft eliminieren wird (Offenbarung 21,4).

Reflections: Sie sind dran
Haben Sie je mit der Frage über Gottes Beziehung zum Bösen gerungen? Lassen Sie Ihr Kommentar auf unserer WordPress Seite, Reflections.

Weiterführende Lektüre

  • • Eine weiterführende Betrachtung vom Problem des Bösen finden Sie in: Kenneth Richard Samples, 7 Truths That Changed the World, Kapitel 13 und 14.
  • Eine weiterführende Diskussion vom Argument, dass Böses im Namen Christi getan würde, finden Sie in Kenneth Richard Samples, Christianity Cross-Examined, Kapitel 7.

Endnoten

  1. Eine Diskussion der traditionellen Argumentation für Gottes Existenz finden Sie in meinem Artkel How to Respond to the Challenge That God Is Hidden.
  2. St. Augustine, The Enchiridion, Kap. 11, Logos Virtual Library, trans. J. F. Shaw.
  3. Richard Swinburne, zitiert in “The Problem of Evil,” in Great Thinkers on Great Questions, Hrsg. Roy Abraham Varghese (Oxford, UK: Oneworld Publications, 2009), 191.
  4. Alvin C. Plantinga, God, Freedom, and Evil (Grand Rapids: Eerdmans, 1974), 30.
  5. Richard Rowe, William L. Rowe, “IX. The Problem of Evil and Some Varieties of Atheism,” American Philosophical Quarterly 16 (Oktober 1979): 335, n. 1.
  6. Paul Draper, “The Argument from Evil,” in Philosophy of Religion: Classic and Contemporary Issues, Hrsg. Paul Copan and Chad Meister (Malden, MA: Blackwell, 2008), 146.